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2015 meets 1980 oder: Der voll verrückte Tag, an dem ich meine fünfzehnjährige Mutter traf.

Charlotte, 15 Jahre alt und Charles genannt, lebt mit ihrer Mutter Marion und Tante Dagmar, genannt DDD unter einem Dach und hat es nicht leicht.
Dagmar ist der selbsternannte Boss, Marion muss gehorchen.
Die Mutter ist notorisch unsicher, von Selbstzweifeln geplagt und lässt sich permanent von ihrer Schwester, der doofen Dagmar unterbuttern.
Dagmar hat grundsätzlich immer das letzte Wort, trifft alle Entscheidungen, und der Rest hat zu spuren. Charles geht sogar auf eine Schule, die Dagmar ausgesucht hat, und dort fühlt sie sich gar nicht wohl.
Aber zu Hause ist es auch kaum auszuhalten, wenn sie sieht, wie schwach ihre Mutter ist, und wie unsicher sie immer schaut.

Die drei leben in einem ehemaligen Café, das Charlies Großeltern geführt hatten und das mittlerweile als Euroladen dient, in dem Marion billigen Mist verkaufen muss.
Dagmar hat Pläne, den Laden zu verkaufen, und Charles versteht nicht, wieso man nicht einfach wieder ein Café daraus machen kann. Marion will, wie immer, den Kopf in den Sand stecken und einfach vor den Problemen verschwinden.
Eines Tages eskaliert die Situation und ein schlimmer Streit bricht aus.

In der Nacht danach passiert etwas sehr seltsames, und am folgenden Morgen wacht Charles im Jugendzimmer ihrer Mutter Marion auf – im Jahr 1980!

Zwei wie Zucker und Zimt findet man im Laden in der Jugendbuchabteilung, kann aber in jedem Alter gelesen werden.

Mich hat die Zeitreisegeschichte, die aus Charlottes Sicht erzählt wird, köstlich amüsiert. Es ist ganz witzig, zu lesen, wie unsere Vergangenheit in den 1980ern ohne Internet, soziale Netzwerke und Smartphones aus der Sicht einer Jugendlichen von heute erzählt wird. Und ich selbst habe mich auch an meine damalige Zeit erinnert, wie haben wir es bloß überlebt, die Jugend ganz ohne Facebook und Whatsapp?!

Da Charles mit ihrer Gegenwart unzufrieden war und ihr die Situation, in der sie mit Mutter und Tante lebt, so überhaupt nicht zugesagt hat, muss sie einfach nur Marions Vergangenheit ein kleines bisschen ändern, um alles in die richtigen Bahnen zu lenken, glaubt sie. Und vor allem die doofe Dagmar darf nicht vergessen werden, bei ihr muss ganz schön was gedreht werden, damit sie später Marions und Charlies Leben nicht unnötig schwermacht.

Aber was ist, wenn sie zu viel ändert, und am Ende vielleicht gar nicht geboren wird?
Und wie erklärt sie ihr Auftauchen im Jahr 1980 überhaupt, und wieviel kann sie aus ihrer Gegenwart verraten?
Und vor allem: wie kommt sie wieder zurück ins Jahr 2015?

Diese und noch viel mehr Fragen werden mit der Geschichte beantwortet, und es hat wirklich großen Spaß gemacht, das relativ dicke Buch zu lesen, das für meinen Geschmack trotzdem noch zu wenige Seiten hatte und gerne noch länger hätte sein können.

Stefanie Gerstenberger, geboren 1965 hat das Buch zusammen mit ihrer Tochter Marta Martin, geboren 1999 geschrieben und für meinen Geschmack voll ins Schwarze getroffen.

„Zwei wie Zucker und Zimt“ ist nicht nur ein Lesespaß für junge Mädchen, sondern vor allem auch für deren Mütter, die, wie ich, ihre Jugend in den 1980er Jahren verbracht haben und sich in vielem wiederfinden werden.

Ein dickes Lob an die beiden Autorinnen und herzlichen Dank für diesen Lesespaß, und natürlich eine klare Leseempfehlung an alle Zeitreisefans und solche, die es vielleicht werden wollen!

Zuckerzimt

CharingCrossRoad

Ende der 1940er Jahre in New York: Helene Hanff ist Bühnenschriftstellerin und immer auf der Suche nach seltenen Büchern. Bei ihrer Recherche stößt sie auf die Adresse eines Antiquariats in London, das ihr fortan eine Quelle für Sammler- und Lieblingsstücke sein wird.
Helene Hanff schreibt an das Antiquariat und ordert Bücher aus England. Zu dieser Zeit ahnt sie noch nicht, dass sich eine Brieffreundschaft entwickeln wird, die über 20 Jahre halten wird.

Die humorvolle Briefesammlung erschien 1970 zum ersten Mal und ist ein Lesegenuss erster Güte.
Dabei bleibt es nicht nur bei Buchbestellungen, es entstehen auch richtige Freundschaften, die weit über die Literatur hinausgehen.
Da in London die Lebensmittel knapp sind, schickt Helene Hanff der Belegschaft mit der Zeit „Überlebenspakete“, die von den Londonern dankbar und ehrfürchtig angenommen werden.
Immer wieder verspricht Helene Hanff, ihre englischen Freunde bald zu besuchen, doch es kommt Jahr für Jahr etwas dazwischen. Meist verhindern finanzielle Notlagen die Reise, dennoch verliert Helene Hanff nie den Humor, der in jedem Brief mitschwingt und das Buch zu einem Schatz macht.

Auf „84, Charing Cross Road“ bin ich in Katarina Bivalds „Ein Buchladen zum Verlieben“ aufmerksam geworden, das dort erwähnt wird.
Helene Hanff hat ein weiteres Buch herausgebracht: „Die Herzogin der Bloomsbury Street“, das ich gerade lese, und in dem sie endlich London besucht. (1971).
Helene Hanff wurde 1917  geboren und verstarb 1997 in New York.

Die beiden Bücher der Autorin sind erfrischend lebhaft.

84, Charing Cross Road erzählt in ansprechendem Schreibstil von der Liebe zur Literatur im Speziellen und von Menschlichkeit im Allgemeinen.
Ein kleines Wohlfühlbuch, das ich gerne gelesen habe. Meinetwegen hätte es ewig so weitergehen können mit den Briefen.
Ein wunderbarer kleiner Schmöker, absolut emfpehlenswert.

Laura Schroff ist eine junge Frau, die in New York lebt und beruflich sehr erfolgreich ist.
Wie jeden Montag läuft sie durch die Stadt zur Arbeit und achtet kaum auf die Mitmenschen. Auch nicht auf den Jungen, der sie um Geld anbettelt. Zuerst jedenfalls nicht.
Dann bleibt sie stehen und kehrt um. Sie spricht den Jungen an und kauft ihm etwas zu essen. Die beiden unterhalten sich. Erst antwortet Maurice nur zögerlich, weil er keine guten Erfahrungen mit Erwachsenen gemacht hat. Erst recht nicht mit welchen, die nicht aus seiner sozialen Schicht kommen.

Schließlich treffen Laura und Maurice sich jeden Montag, und eine ungewöhnliche Freundschaft entsteht.

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, und ich wurde in einer TV-Sendung darauf aufmerksam. Soweit ich mich erinnere, war es ttt, bin mir aber nicht mehr sicher.
Zwar hatte ich „Immer montags beste Freunde“ auf meinen Wunschzettel gepackt, aber nicht gleich gekauft. Per „Zufall“ fiel es mir dann in einer kleinen Buchhandlung in die Hände, und zu Hause habe ich sofort mit dem Lesen begonnen.
Schnell hat sich herausgestellt, dass das Buch eins dieser Art ist, wegen derer man morgens im Büro sitzt und einem die Augenlider bis zum Kinn hängen. Ich habe es in einer Nacht durchgelesen und konnte einfach nicht aufhören.
Der Grund dafür war nicht nur der ansprechende Schreibstil, sondern wohl auch die Tatsache, dass alles, was man liest, auch wirklich so passiert ist.

Natürlich weiß man vom Unterschied sozialer Schichten und arm und reich, aber wie Maurice seine Kindheit erleben und verbringen muss, ist mehr als tragisch. Als Kind drogenabhängiger Eltern, hat er nie kennengelernt, wie es ist, wenn jemand sich um ihn kümmert. Verwahrlost und vernachlässigt schlägt er sich auf der Straße durch und „wohnt“ mit unzähligen Familienmitgliedern in einem einzigen heruntergekommenen Zimmer, in dem er live mitbekommt, wie die Erwachsenen sich Drogen reinziehen, Crack rauchen und Heroin spritzen. Nie gibt es genug zu essen, seine Kleider sind schmutzig, zur Schule kommt er permanent zu spät. Seine Mutter sitzt zeitweise im Knast, macht hin und wieder einen Drogenentzug und wird doch immer wieder rückfällig, sein Vater lässt ihn fast verhunngern.

Im Nachhinein kann Laura nicht mehr sagen, warum sie den 11jährigen Maurice damals ansprach, es war einfach so. Heute, nach 30 Jahren sind Laura und Maurice immer noch beste Freunde.

Dank Laura konnte Maurice sich satt essen, und mit der Zeit fasste er Vertrauen zu der damals 35 jahre alten Frau, die ihn lehrte, worauf es im Leben ankommt, und dass man den Teufelskreis aus Drogen und Gewalt, in dem er aufgewachsen ist, durchbrechen kann.
Maurice schaut zu Laura auf, nimmt ihre Ratschläge an und vor allem ihre Hilfe.
Sie sorgt dafür, dass er seine Kleider bei ihr waschen kann und seine Hausaufgaben macht er in Ruhe in ihrer Wohnung. Und vor allem bekommt er von ihr, wie er sich das wünscht sein Pausenbrot für die Schule in einer braunen Papiertüte, wie andere Kinder auch.

„Immer montags beste Freunde“ ist ein wunderbares Buch, ohne jeden Kitsch. Auch Laura hatte keine schöne Kindheit, vielleicht hat gerade das dafür gesorgt, dass sie sich so sehr um Maurice gekümmert hat. In ärmlichen Verhältnissen mit einem brutalen und akloholsüchtigen Vater aufgewachsen, bricht sie irgendwann aus und baut sich ein eigenes Leben auf.
Nicht nur Maurice lernt von Laura, auch umgekehrt zeigt der Junge seiner erwachsenen Freundin, welche Werte im Leben wirklich wichtig sind.

Ich fand das Buch absolut fesselnd, spannend und erschütternd. Und doch gehört es für mich in die Sparte der Schmöker, nach deren Lektüre man sich wohl fühlt, weil einem Menschlichkeit nahegebracht wird und das Wissen darum, dass Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten füreinander dasein können.

Das Buch emfpehle ich uneingeschränkt weiter, und ich werde es sicher öfter als einmal lesen.

immer montags

Ich besitze viele Bücher von Anna Trökes, die mittlerweile zu meinem Yogameister geworden ist und mir sämtliche Übungen, wie auch die Geschichte des Yoga nahegebracht hat.
Anti-Stress Yoga von Herder schließt sich nun in die Reihe ein und begeistert mich vollauf.
Nicht nur die Aufmachung (Hardcover und Schutzumschlag) ist ansprechend, vor allem der Inhalt.

In unserer schnelllebigen Welt ist Stress an der Tagesordnung. Achten wir nicht auf einen Ausgleich, kann das zu diversen Krankheiten führen. Nicht nur seelisch, auch körperlich treten mit der Zeit Symptome auf, die uns einschränken und krank machen können.
Anna Trökes klärt in diesem Buch genau über die Arten des Stress auf, seine Wirkung auf den Menschen, und wie man damit umgehen kann.
Yoga, Mediatation und Achtsamkeit sind Möglichkeiten, den Stress zu reduzieren, damit umzugehen und mental wie körperlich stärker zu werden.

Dabei wird in diesem Buch nicht nur oberflächlich ein Thema angeschnitten, Frau Trökes geht hier in die Tiefe und liefert einen absolut lehrreichen, wissenschaftlichen Text. Ganz anders als in den mir sonst bekannten Yogabüchern liegt hier der Schwerpunkt erstmal auf der Information und Aufklärung, die alle wissbegierigen Leser begeistern wird.

Beim ersten Durchblättern war ich verwundert, da hier keine Hochglanzfotos zu finden sind, auf denen die Asanas dargestellt werden, sondern lediglich einige schwarz-weiße Zeichnungen. War ich zu Beginn noch etwas enttäuscht, wurde ich durch den qualitativ hochwertigen Text mehr als entschädigt.

Neben Yogaübungen geht Frau Trökes vor allem auf Meditationen und Atemübungen ein, der Fokus liegt aber vor allem auf Information.

Anti-Stress Yoga ist ein Buch, das in einer Yogabibliothek nicht fehlen sollte, in der man Wert legt auf richtig guten Lehrstoff zum Thema Yoga, Achtsamkeit, Meditation und Gesundheit allgemein.

Yoga

Carlo wartet seit Ewigkeiten auf seinen Papa. Genaugenommen fünf Monate, zwei Wochen und sechs Tage. Seit dieser Zeit vermisst der Junge seinen italienischen Vater, der einfach nicht kommt. Dabei hat er es ihm doch versprochen.

Papa lebt jetzt wieder in Italien und macht Geschäfte. Mama und er sind einfach nicht mehr miteinander ausgekommen, und dann hat Mama Carlos Papa rausgeschmissen und seine Sachen in den Keller geräumt.

Carlo hat jetzt die Nase voll und macht sich selbst auf den Weg nach Palermo. Er wird seinen Papa einfach wieder zurückholen. Schließlich hat er Geld gespart, und das wird ja wohl reichen für den Nachtzug.

Leider ist der Weg als Kind alleine nach Palermo gar nicht so einfach, da Erwachsene es nicht so gerne sehen, wenn man ohne die Eltern verreist. Aber Carlo wäre nicht Don Carlo, wenn er es nicht schaffen würde.

Ohne Fahrkarte und überhaupt ohne Plan startet Carlo seine Reise und erlebt allerhand Abenteuer.

Ab und zu muss es ein Kinderbuch sein.
„Keiner hält Don Carlo auf“ habe ich gesehen und war vom Cover und vom Titel so angetan, dass ich es haben musste. Dazu noch die Kurzbeschreibung, und es war meins.

Das Buch ist für Kinder bestens geeignet, greift es doch nicht nur bekannte Probleme wie Trennung der Eltern und Mobbing (weil Carlo etwas zu dick ist) auf, sondern erzählt auch von Abenteuern und Mut.

Anfangs war ich etwas skeptisch, da die Geschichte aus Carlos Sicht erzählt wird und auch so geschrieben ist. Ich hab, ich sag, ich lauf, etc. Ich bin nicht sicher, ob das Kindern weiterhilft, was die korrekte Rechtschreibung angeht. Aber schließlich ist es ja Umgangssprache, und da ich keine schulpflichtigen Kinder habe, kann es mir relativ egal sein 😉

„Keiner hält Don Carlo auf“ ist eine spannende Geschichte, bestimmt gleichermaßen für Jungen und Mädchen interessant, ohne besonders Angst einflößend zu sein.

Mir hat das Buch in jeder Hinsicht gut gefallen, und ich könnte mir vorstellen, es an Kinder im Alter ab 9 zu verschenken.

Don Carlo

Das Buch ist mir wegen der Kurzbeschreibung ins Auge gefallen, in der es heißt, dass es ein Buch über Bücher ist und über einen alten Laden, der zum Buchladen umfunktioniert wird.
Damit hat man mich an sich schon für sich eingenommen, manchmal braucht es gar nicht mehr, um mich dazu zu bringen, das Buch zu kaufen.
Das Nebenthema interessiert mich oft gar nicht wirklich, wobei ich mir vom ersten Satz sofort angesprochen gefühlt habe:

„Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Brieffreundschaft: Die 65-jährige Amy aus Iowa und die 28-jährige Sara aus Schweden verbindet eines: Sie lieben Bücher – mehr noch als Menschen.“

Zack! Gekauft.

Nun lag das Buch dann doch fast ein Jahr auf dem SUB, es braucht eben auch immer die richtige Zeit zum Lesen, und die war jetzt.

Sara beschließt, Amy zu besuchen und reist nach Amerika. Bei ihrer Ankunft ist Amy allerdings tot und Sara vor den Kopf gestoßen. Wie konnte Amy ihr verschweigen, dass sie so krank war und Saras Ankunft gar nicht mehr erleben würde?
Sara ist allein in dem Ort in Iowa, der vom aussterben bedroht ist. Die Jugend ist längst weg, die Innenstadt ausgestorben, die Menschen allesamt seltsam. Dennoch nehmen sie Sara in ihre Gemeinschaft auf, weil Amy es so wollte. Überhaupt hatte Amy einen hohen Stellenwert bei allen. Und sie hatte Bücher.
Nach einiger Zeit, in der Sara in Amys Haus wohnt, beschließt Sara, mit Amys Büchern einen Laden zu eröffnen. Allgemein stößt das nicht gerade auf Zustimmung, doch die junge Schwedin lässt sich nicht von ihrem Plan abbringen.
Zu Hause in Schweden wird sie von niemandem vermisst, und ohnehin ist sie ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten gekommen, um Ruhe zu finden und darüber nachzudenken, wie ihr Leben weitergehen soll. Warum also nicht die Zeit des Visums nutzen und sich nützlich machen?

Nachdem Sara die Bücher in den Laden gebracht hat, erfindet sie Kategorien für die diversen Regale, um die Einwohner für Bücher zu begeistern: „Garantiert zuverlässiger Autor“, „Kein überflüssiges Wort“, „Für Freitagabende und faule Sonntage im Bett“, sie empfiehlt dem Pfarrer „Don Camillo und Peppone“ und der bibelfesten, strengen alten Jungfer Gay-Romantik.
Ihr Vorhaben läuft zwar nur schleppend an, dennoch verändern sich die Menschen in Broken Wheel und mit ihnen der ganze Ort dank Sara und dem Buchladen.
Klingt doch perfekt für einen Buchliebhaber.

Und stellenweise war es das auch. Nein, sogar größtenteils. Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Die Protagonisten konnten unterschliedlicher gar nicht sein, allen voran Sara, die zeitweise etwas naiv oder gar unbeholfen wirkt. Ab und an fand ich die Geschichte etwas schnulzig, Liebe spielt natürlich auch eine Rolle.

Aber wie eingangs erwähnt, war das für mich Nebensache. Mir ging es lediglich um die Bücher. Amy hatte eine erstaunliche Sammlung, die meisten davon stehen selbst in meinen Regalen, nach anderen habe ich gesucht und eins habe ich mir gekauft und mittlerweile auch gelesen (84, Charing Crossroad von Helene Hanff).

Obwohl das Hauptthema eigentlich Literatur sein sollte, war es mir immer noch zu wenig, auch wenn es natürlich etliche Buchempfehlungen zu finden gab (wobei meine Büchersucht schon sehr extrem ausgeprägt ist, man darf diese Aussage also nicht überbewerten).

Die Nebengeschichte ist auch ganz nett und alles, wobei ich Saras Mr. Darcy bis heute nicht leiden kann.

Beim Lesen kamen viele -Lese-Erinnerungen hoch: Fannie Flagg, Stieg Larsson, Jane Austen, die Bronte-Schwestern, etc. und neue Eindrücke hinzu. Herrlich!

Den Schreibstil Katarina Bivalds kann man durchaus mit Fannie Flagg (Grüne Tomaten, Das Wunder von Lost River, etc.) vergleichen. Mit hat das Buch richtig gut gefallen, vor allem seine doch sehr ruhige Art und wie sehr die Liebe zu Büchern hier Thema ist. Und auch, ob es gut ist, Büchern stets den Menschen vorzuziehen. Evtl. besteht dabei die Gefahr, dass man sich selbst aus allem ausschließt? Bisher konnte ich die Frage für mich selbst ganz klar beantworten: Klar ist es gut. Nichts ist besser, als Bücher zu lesen. Nachdenklich hat mich die Geschichte aber allemal gemacht und mittlerweile bin ich mir nicht mehr zu 100% sicher.

Die Frage, die auf dem Buchrücken steht: „Was lieben Sie mehr? Bücher oder Menschen?“ hat mich seitdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, immer wieder beschäftigt. Beantwortet habe ich sie noch nicht.

Fest steht aber für mich, dass Bücher einen riesengroßen Teil meines Lebens ausmachen.

„Ein Buchladen zum Verlieben“ ist ein perfekter, ruhiger Roman über die Liebe zu Büchern und zeigt, dass es überhaupt nichts zu mäkeln gibt an Belletristik. Die Elite der Literaturkritik wird natürlich die Nase rümpfen und sich vermutlich nicht dazu herablassen, so etwas banales zu lesen.

Mir hat es großen Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, viel Neues entdeckt und Altes wiedergefunden.

Klare Leseempfehlung für alle, die Bücher lieben.

Bivald

Finch und Violet besuchen zwar die gleiche Highschool, kennen sich aber nicht näher. Bis auf einen gemeinsamen Kurs (amerikanische Landeskunde) hatten sie bisher keinen Kontakt.
Das ändert sich, als die beiden Teenager zur gleichen Zeit auf dem Glockenturm der Schule stehen und springen wollen.
Finch ist der Freak der Schule, bekannt für seine Ausraster, wenn er gemobbt wird. Ihm droht der Schulverweis.
Violet ist depressiv, seit sie ihre ältere Schwester bei einem Autounfall verloren hat. Sie hat keinerlei Lebensmut mehr.
Auf dem Glockenturm überredet Finch Violet schließlich, den Plan sich das Leben zu nehmen, nicht in die Tat umzusetzen, sondern wieder nach unten zu klettern.
Die Schule feiert jedoch Violet als Finchs Retterin, und dieser Trugschluss wird von niemandem richtiggestellt.
Finch wird nun noch mehr gemobbt und hat auch zu Hause keinen Halt. Sein brutaler Vater hat die Familie verlassen, die sonntäglichen Treffen mit dem Tyrannen sind Finn ein Greuel, die Mutter ist mit der Erziehung von drei Kindern maßlos überfordert und kümmert sich nicht um ihn.

Mit der Zeit entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen Finch und Violet, und Finch hilft dem traurigen Mädchen, wieder zurück ins Leben zu finden, während er selbst immer mehr abrutscht. Er fühlt sich unverstanden, unwichtig, unsichtbar. Von der Welt verlassen, zieht er sich immer mehr zurück. Niemand ahnt, wie schlecht es Finch wirklich geht, bis er verschwindet.

Auch Tage, nachdem ich das Buch gelesen habe, bin ich immer noch geflasht. Jennifer Niven hat eine tiefgründige Geschichte abgeliefert, die mir den Atem geraubt hat.
Am Ende erklärt sie, warum sie das Thema Suizidgedanken und psychischer Erkrankung bei Jugendlichen als Thema aufgegriffen hat, und man versteht erst recht, wie sie sich dermaßen in die Jugendlichen hineinversetzen konnte.

All die verdammt perfekten Tage ist mE ein wichtiges Buch, das nicht nur von Jugendlichen gelesen werden sollte, sondern vor allem von Eltern. Leider werden es die, bei denen es wichtig wäre und die daraus lernen könnten, sicher nicht tun. Eltern, die ihre Kinder übersehen, nicht mitbekommen, dass es ihnen schlecht geht und warum. Eltern, die nur mit sich selbst beschäftigt sind und ihre eigene Pubertät vermutlich vergessen haben.

Das Thema Depressionen und bipolare Störung ist wichtig, und es ist unbedingt darauf hinzuweisen, dass es unabdingbar ist, Kinder, die diese Anzeichen zeigen, nicht im Stich zu lassen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine sind. Es muss auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden!

Im Anhang findet man Adressen, an die man sich wenden kann, wenn man glaubt, selbst an Depressionen oder einer bipolaren Störung zu leiden oder wenn man Suizidgedanken hat.

Wichtig für Betroffene ist auch zu wissen, dass immer wieder alles gut werden kann und es nie eine richtige Lösung ist, sich das Leben zu nehmen. Ich weiß das aus erster Hand.

Jennifer Niven lässt in ihrem Buch jeweils Finch und Violet kapitelweise zu Wort kommen, so wird die Geschichte aus zwei Sichtweisen erzählt. Die beiden Teenager sind etwas ganz besonderes, jeder auf seine Weise. Sämtliche Protagonisten haben mich auf ihre eigene Art angesprochen. Das Thema ist extrem hart, jedoch sehr wichtig.

Durch Nivens Schreibstil gefangen genommen, konnte ich das Buch nicht mehr beiseite legen, bis ich es zu Ende gelesen hatte.

Die Schreibweise wie das Thema, die ganze Umsetzung haben mich sehr angesprochen. Ein wunderbares und wichtiges Buch, das noch lange nachhallt.

Niven